Wenn Photographien überhaupt spüren lassen, welche Beziehungen ein Photograph zu seiner Umgebung aufbaut, dann die Aufnahmen von Bernhard H. Tinz. Es sind schnelle und doch präzise, spontane und doch wohlüberlegte Photo-Schüsse; flüchtige Eindrücke, die dennoch nicht zufällig scheinen.
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Aus seinen Bildern schimmert sehr stark die Persönlichkeit von Bernhard H. Tinz durch: Im ersten Augenblick, wenn er ohne Untertreibung von sich und seinen Leistungen spricht, mögen ihn manche Leute als "angeberisch" empfinden. Doch auf den zweiten Blick – und spätestens dann – wird klar: Was er macht, ist wirklich so gut, wie er sagt – und das ist vielleicht das Ungewöhnlichste an ihm.
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Mit seiner Photographie, ob mit oder ohne kommerziellen Hintergrund, hält er es wie mit allem, was er macht: Er stellt hohe Anforderungen an sich und die Anderen; er gibt nie auf, bis er erreicht hat, was ihm vorschwebt. Aber er ist dennoch kein bürokratischer Pedant. Und das macht ihn besonders sympathisch.
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Seine Bilder sagen nicht nur etwas aus, wie er auf seine Umwelt wirkt, sie geben auch Aufschluss darüber, wie er seine Umwelt sieht und erfährt.
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Seit seiner Kindheit ist die Photographie für ihn ein Mittel, das Sehen zu vertiefen, Stimmungen einzufangen und wiederzugeben; wiederzubeleben, was er gesehen hat; eindeutige Impressionen darzustellen, Echtheit, Zweifel, Lüge oder Wahrheit auszudrücken. Seine Photographie reflektiert Empfinden und Erleben durch intuitive Gestaltung, verdichtet ungeplant Eindrücke und dynamisiert. So lässt er Bilder entstehen, die ausdrucksstark das absolut Typische, Zufällige und Endgültige wiedergeben.
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Wann immer Bernhard H. Tinz eine Szenerie ablichtet, so erhebt das Bild den Anspruch, das Wesentliche wiederzugeben, befreit von Störfaktoren und Vertuschungen. So seine Life-Style Bilder, seine Still-, Land-Scape-, Architektur- und Mode-Motive sowie die ganze Welt der Photographie.
Er zeigt Geschehenes und Vorhandenes. Bilder, die in ihrer Tiefe begreifbar sind und demjenigen, er sich mit der Materie auszukennen glaubt, Gelegenheit geben soll, seine Gefühle über das zu verarbeitende Thema neu zu ordnen: Seine Photographie ist so bunt, stolz, so grausam, elegant, so sentimental, so aggressiv und tolerant und so mächtig abgrundtief und eindrucksvoll.
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Jeder wird seine Photographie anders fühlen und erleben, aber immer auf die eigentliche Seele, das Wichtige und Wesentliche des Motivs treffen.
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Rolf Fehlmann – Zeitschrift PHOTOGRAPHIE